Das alles mit cubanischer Musik, die das Rad zum drehen bringt…
Salsa Rueda – Gruppentanz mit ständigem Partnerwechsel und angesagten Figuren:
Rueda, Salsa Rueda oder Casino de Rueda ist Salsa, die als Paar getanzt wird, aber trotzdem auch und gleichzeitig in der Gruppe. Der Caller, oder auch Cantante, sagt die Figuren an, die die Paare tanzen sollen. Häufig ist mit den Figuren auch ein Partner-Wechsel verbunden. Der Partnerwechsel erfolgt in einer Tanzrichtung, die natürlich auch noch wechseln kann. Damit das alles nicht zu einfach wird, gibt es noch weitere Strukturen, auf die unten noch genauer eingegangen wird.
Und warum Casino? Und warum Rueda?
Die Rueda, so sagt die Legende, wurde im Casino Deportivo in Havana erfunden, von den Tänzern, die dieses Sport-/Kultur-Zentrum besuchten. Und Rueda bedeutet „Rad“, die Rueda wird also im Kreis getanzt, so wie sich das Rad im Kreis dreht.
Spaß im Chaos – warum Unvorhersehbarkeit das Herz der Rueda ist
Das Chaos bringt den Spaß rein: Spannend ist, dass man zB als Leader nicht darüber nachzudenken braucht, was man als nächstes tanzt, denn das bekommt man angesagt. Trotzdessen muss man natürlich hellwach sein, damit man keine Kommandos verpasst. Und natürlich passiert genau das und sorgt für viel Spaß, einer der grundsätzlichen Empfehlungen lautet also: Umarme das Chaos!
Um das Chaos noch schön bunt einzufärben, werden Figruren auch gern erweitert: um putzige Tiere (con Pinguino), Freud und Leid (con beso = mit Küsschen/ castigala = bestraf sie), Komplimente (acaríciala/lo = streichel sie/ihn), man kann als Fußball-Champion „Maradona“ beeindrucken und auch spontan das Geschlecht wechseln (travesti).
Der Cantante / der Caller
Der Cantante ist der Dirigent und gibt das Tempo und die Komplexität der Rueda durch seine Calls vor, genauer: der Grundschritt Guapea wird getanzt auf die Schläge 1,2,3 5,6,7 – die meisten Calls werden auf der 5 angesagt, der Call „Pisa“ auf der 1.
Je nach dem, wie sehr der Caller die Gruppe fordern möchte, erhöht er das Tempo mit vielen Partnerwechseln und auch Kommandos, bei denen man nicht nur eine Frau weiter tanzt, sondern gleich zwei (dame dos). Garniert werden können die Calls mit der Aufforderung, zu klatschen. Calls können zurückgenommen werden („mentira“ = gelogen) und die Tanzrichtung kann gewechselt werden (arriba). Noch höhere Komplexität kann mit weiteren Strukturen erzeugt werden, zb „Rueda llanta“ oder „pa’fuera“.
Für manche Figuren haben sich Handzeichen etabliert, damit der Cantante (im lauten Club) noch ein weiteres Kommunikationsmittel hat.
Der Grundschritt: ein Aufschneider namens Guapea
Guapea kommt vom Guapo, der Schöne. Aber damit ist durchaus auch der Macho, der Prahler und Aufschneider gemeint, der, der bestimmt und viel Raum einnimmt. Daher trägt er auch seine Ellebogen breit, mit Abstand zum Körper und er greift ihre Hände (von der Seite, 4 Finger oben, Daumen unten), um sie, die Tänzerin, zu kontrollieren und eine breite Silhouette zu bieten.
Bezüglich der Schritte gibt es unterschiedliche Varianten: Manche tanzen ungedreht eine Rückwärtswiege auf 1,2,3 und eine Vorwärtswiege auf 5,6,7 – manche haben bei 1,2,3 die Orientierung beider Partner zur Kreismitte und bei 5,6,7 drehen sie sich zum Partner, bedeutet dann immer eine Vierteldrehung zueinander und wieder zurück. Manche sagen, dass Rückwärtswiegen überhaupt gar nicht in der Rueda getanzt werden (können), weil hinter ihnen im Kreis ja der/die nächster Tänzer/in tanzen und man mit einer Rückwärtswiege natürlich dann kollidiert.
Manche tanzen einen Tap auf 4 und 8.
Der Guapo hält seine (aktuelle) Lady immer linke zur rechten Hand in der oben beschriebenen Weise (Pacman, 4 Finger oben, Daumen unten, gegriffen von aussen). Bei 5,6,7 tanzt man im Guapea aufeinander zu und stoppt, rechte zur/auf linken Hand. Manche machen hier ein „high five“ = flache Hände aufeinander. Manche Guapos greifen hier ebenso wie oben beschrieben mit der rechten ihre linke Hand, finde ich persönlich ganz gut.
Die Figuren in der Salsa Rueda
Die wichtigsten Figuren sind „Guapea“ und „Dame“. Letzteres bedeutet nicht etwa „Dame“ im Sinne von „Lady“, sondern „Dame“ ist ein Befehl (spanisch „dar“ = geben + Personalpronomen „me“ = mir) und bedeutet also „Gib mir!“ und das Subjekt der Begierde ist hier natürlich die nächste Partnerin, also die Lady, die (noch) eine Position weiter rechts tanzt.
Das Rueda-Kommando ist „Dame“ oder „Dame una“ oder verkürzt „una“ oder „una mas“ oder „otra“. Das was getanzt wird, nennt man im LA-Style „Cross Body lead“, in der cubanischen Salsa „dile que no“.
Weitere wichtige Grundfiguren sind Al medio, vamos arriba/abajo, Enchufla, Setenta, La Prima und Sombrero.
Die Strukturen, die wie in unserer Tanzschule tanzen… und andere
Der Kompliziertheit der Rueda sind fast keine Grenzen gesetzt. Wir in der Tanzschule Diereck Dross tanzen aktuell meistens in den Strukturen „Guapea/pa’dentro“ also Orientierung im Grundschritt zur Kreismitte. Außerdem zu Beginn „Al medio“. Unsere nächste Challenge wird „pa’fuera“ sein, also dass die Orientierung der Paare nicht mehr zur Kreismitte ist, sondern nach außen.
Ebenfalls pflegen wir bei uns „dos parejas“, also eine Rueda-Form, bei der 2 Paare miteinander tanzen. Sehr nützlich, wenn man auf einer Party keine ganze Gruppe hat, aber zumindest 2 Paare, die dann miteinander tanzen können.
Und hier das Ganze in live, aus Cuba, von 1994, ein wenig in die Jahre gekommen aber trotzdem sehr schön anzusehen und mit der berühmten Salsa-Combo „Los Van Van“: