Tanzschule Tanzkurs Frankfurt Bornheim Nordend Ostend Diereck Dross Wiener Walzer Wikimediacommons Charles Wilda Joseph Lanner Und Johann Strauss 1906

Wiener Walzer: Und wann lernen wir den richtig?

Wiener Walzer gehört zu den beliebtesten Tänzen. Er dreht, er schwingt, er macht glücklich! Für Leute, die (Wiener) Walzer lernen wollen, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: Die Gute: Wiener Walzer ist super einfach. Die Schlechte: Wiener Walzer zu lernen dauert Jahre!

 

Zuerst ein kurzer Blick auf die Geschichte:

Der Absolutismus tanzte noch Menuett, doch spätestens Ende des 18. Jahrhunderts nahm der Walzer das aristokratische Parkett ein und zwar ganz sprichwörtlich: Kaiserin Maria Thersia ließ in der Wiener Hofburg 1748 selten genutzte Theater zu Ballsälen umbauen. Das wurden die Redouten-Säle. 1772 wurden dann diese Redoutensäle für alle Stände geöffnet. Und so mischte sich das gemeine Volk, das schon den walzer-ähnlichen Ländler tanzte, mit der Aristokratie. Und der Walzer stieg auf, von der Dorf-Hochzeit in die Hofburg und wurde geadelt.
Revolutionär war, dass das Paar – fern von festgelegten Choreographien –  jetzt selbst bestimmte, wie es tanzte. Und man kam sich näher, indem man sich in Tanzhaltung traf. Sowas gab es davor am Hofe nicht, das Menuett war noch zurückhaltend, kontrolliert und schrittgenau choreographiert. Der Walzer hingegen ungestüm, das viele Drehen erzeugte Schwindel und man schwitzte!
Der Walzer wurde schließlich durch den Wiener Kongreß 1814-1815 internationale Mode. Es wurde dort so viel getanzt, dass Zeitgenossen sich beschwerten: „Der Kongress tanzt, aber er kommt nicht vorwärts. Es sickert auch nichts durch als der Schweiß dieser tanzenden Herren.“  (Brief von Charles-Joseph de Ligne an Talleyrand, im November 1814).
Die ersten gedruckten und damit überlieferten Noten stammen übrigens von Franz Martin Pecháček aus dem Jahre 1801. Er war der der erste Walzerkönig, gefolgt von Josef Lanner und Johann Strauß Vater. Der Wiener Walzer wurde dann zum Habsburg-Pop und später die „Schöne blaue Donau“ (1867) von Johann Strauß Sohn der erste internationale Schlager überhaupt.
Daniel Meßner vom Podcast „Geschichten aus der Geschichte“ hat einen schönen Podcast zur Geschichte des Wiener Walzer gemacht, reinhören!
Und Deutschlandfunk Kultur beleuchtet in dem Podcast „Lange Nacht“ die Strauss-Dynastie.
 

Wie man Wiener Walzer lernt

Wir Tanzlehrer unterscheiden zweieinhalb Arten, Wiener Walzer zu tanzen:
1. der 1-Schritt-Pendel-Walzer
Das ist eine Allzweckwaffe, die absolut nach meinem Motto, dass jeder der laufen kann, auch tanzen kann, funktioniert. In seiner allereinfachsten Form (seitwärts gependelt) braucht er schöne Musik und ungefähr 15 Sekunden, um ihn zu lernen. Besser gehts nicht!
Wenn es dann von seitwärts zu gedrehtem Vorwärts-Rückwärts-Pendeln geht, wird es schon schwieriger. Hier wird jetzt alles relevant, was man auch für andere Standard-Tänze lernen muss: Das richtige Bein antanzen / ein natürlich locker fallendes Spielbein, das mit Gewichtsübertragung über die Ferse zum Standbein wird / eine natürliche Schrittlänge / ein Standbein, das nach Gebrauch nicht festgehalten wird, sondern frei weiter schwingen darf und gerne einen weichen Schritt-Ansatz. Drehfreudige (Männer) mögen gern ihren eigenen Rücken drehen, und dadurch Rotation im Paar zu erzeugen, als mit Armen und Händen an der Lady „rumzuschrauben“. Schön wäre es natürlich, wenn beide versetzt tanzten, damit die gegnerischen Drehachsen frei bleiben. 
Einem durchschnittlichem Tanzpaar sollte mithilfe eines hoffentlich kompetenten Kollegen innerhalb weniger Wochen ein lockerer, frei drehender und authentischer Pendel-Walzer gelingen.
…zwischen 1. und 2.: „Tip zieh“:
Eine geschätzte Kollegin bietet Paaren zum Übergang eine Technik an, die einen schönen Übergang von 1-Schritt-Pendel zu 3-Schritt-Walzer ermöglicht, mit Namen „Tip zieh“. Gemeint ist hiermit, dass das 1-Schritt-Pendeln durch Training schon so schwungvoll ist, dass der Körper vielleicht weiter möchte. Daher wird ihm auf 2 ein Schritt mit Teilgewicht („Tip“) und auf 3 das Ran“zieh“en des Standbeins angeboten. Man könnte diese Technik auch mit „und rutsch“ oder „Stütz rutsch“ zählen. Eine ideale Weiterentwicklung des Pendel-Walzers zum Schwungtanzen!
2 . Der geschwungene Walzer, der 3-Schritt-Walzer
Der große Unterschied zwischen Pendel- und Schwung-Walzer besteht darin, dass man beim Pendel-Walzer stationär bleibt, hingegen beim Schwung-Walzer sein Körper(gewicht) im Raum transportiert. 
Beim 3-Schritt-Walzer ist dann das Ideal, dass man raumgreifend den Ballsaal mit wenigen Schritten durchtanzt. Und wenn das klappt, macht das auch richtig Spaß, das ist Vollgas mit Fahrtwind im Gesicht! Wem das noch nicht genug ist, der kann noch folgende Steigerungen einbauen: 3-Schritt-Walzer linksdrehend, aber natürlich trotzdem weiterhin raumgreifend und die Tanzrichtung achtend, Wechsel von der einen zur anderen Drehrichtung (Bitte !!! mit dem Wechsel in der Phrase – die Wiener Walzer Phrase hat 8 Takte) und dann noch das Fleckerl (auch erhältlich in beiden Drehrichtungen), das wäre dann der Gipfel der Walzer-Akrobatik.
 

„Und wann lernen wir den richtigen Walzer?“

Es gibt beim Tanzen-Lernen ein großes Mißverständnis:
Man hat gerade angefangen, ein bisschen zu pendeln, sieht nebenan Leute, die toll Wiener Walzer tanzen, raumgreifend, mit viel Drehung. Und weil gutes Tanzen immer auch leicht aussieht, erliegt man schnell dem Irrtum, dass das ja sicher auch leicht und schnell zu erreichen sein. Und stellt dann die berüchtigte Frage: „Und wann lernen wir den richtigen Walzer?“
Zack, man ist in die Falle gedappt! 
Es gibt bei diesem Tanz übrigens noch eine weitere Falle, in die auch Kollegen gerne reindappen: Wenn man den lahmen Langsamen Walzer (28 Takte pro Minute) mit seinen 3 Schritten beschleunigt, dann landet man doch, ruckizucki, beim Wiener Walzer (60 Takte pro Minute). Das ist ungefähr die gleiche Milchmädchen-Rechnung, als würde man jemanden mit einem Bobby-Car auf die Autobahn schicken: 
Ja, ein Bobby-Car und ein Porsche sind beides Autos.
Nein, es ist nicht sinnvoll, mit dem Bobby-Car auf die A3 zu rollern…
 
Beim Wiener Walzer könnten wir folgende Rechnung aufmachen, unter der Maßgabe, das Paar tanzt durchschnittlich viel (ein bis zweimal die Woche), und im Kurs werden noch andere Tänze trainiert (in vielen Tanzschulen sind es mehr als 10 Tänze!):
Bis man entspannt, locker und damit vorzeigbar …
… Wiener Walzer seitwärts pendelt dauert es:  15 Sekunden
… Wiener Walzer vorwärts/rückwärts rechtsdrehend pendelt dauert es:  ein paar wenige Wochen
… Wiener Walzer rechtsdrehend mit Tip-Zieh tanzt dauert es:  ein Jahr
… Wiener Walzer rechtsdrehend im 3-Schritt-Walzer stationär tanzt dauert es:  zwei Jahre
… Wiener Walzer rechtsdrehend im 3-Schritt-Walzer raumgreifend tanzt dauert es:  mehrere Jahre
In meiner Tanzschule endet die Walzer-Karriere in der Regel bei einem gepflegten, halbstationärem Tip-Zieh und das sieht ganz wunderbar aus: man sieht Menschen mit einem vernünftigen Verhältnis zwischen Energie-Einsatz und erzeugter Bewegungsqualität sich elegant und locker bewegen – was will man mehr?

 

Mehr Walzer: eat up the floor!

Für Leute, die richtig richtig viel mehr Walzer wollen (Trainings-Einsatz mindestens 5x/Woche), der möge sich hier bei den wunderbaren Member of the Most Excellent Order of the British Empire Karen und Marcus Hilton anschauen, wie man es dann richtig macht – eat up the floor!

Walzer in der lateinamerikanischen Folklore

Den 3/4-Takt findet man nicht nur in Europa gut: In der Playlist zu diesem Blog-Artikel gibt es auch Folklore aus Peru und Argentinien, gerne noch etwas schneller als der Wiener Walzer. Im argentinischen Tango hat der Vals einen festen Platz: er gehört zu den drei Tänzen, die zwingend auf einer Milonga getanzt werden. Dabei wird er auch hier so schnell gespielt, dass man im Grundrhythmus des Vals’ nur auf den ersten Schlag tanzt, auch hier darf gerne viel gedreht werden! In dieser Playlist findet man auch ein paar Stückchen schöne Walzer aus Lateinamerika.

 

Vals Musette: unsere durchdrehenden Nachbarn

Ein physikalisches Wunder ist so manch getanzter Musette-Walzer: ich habe in Frankreich Paare gesehen, die derart viel drehen, dass ich mir nicht erklären kann, wie das zum einen funktioniert und wie man das ein ganzes Lied durchhält, ohne sein Petit Dejeuner wieder auszuwerfen. Es ist ein Phänomen und wunderbar:

Noch ein kleiner Tipp am Rande:

Der Podcast „Interpretationssache“ untersucht besondere Lieder und ihre Interpretationen, hier zum Beispiel den traurigen, aber gut tanzbaren und beliebten Walzer „Hijo de la Luna“.
 
Natürlich kann man auch in der Tanzschule Frankfurt Diereck Dross Wiener Walzer lernen, am besten hier mit einer Probestunde starten!

Ein Feedback würde mich freuen, gerne per Mail oder über die anderen bekannten Kanäle…

© Diereck Dross, 27.12.2025
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